Kosenamen: Voll süüüß oder komplett ungeil?

Ich gestehe: Von Haus aus bin ich Skeptikerin. Und doch schlummert in mir eine kleine Romantikerin, die am liebsten Händchen haltend mit ihrem Liebsten durch den Park läuft, um es danach hemmungslos mit ihm zu treiben. Tja, das ist der Stoff, aus dem meine Liebesträume gemacht sind!

Apropos Liebe: Neulich unterhielt ich mich mit Freundinnen über Männer und Beziehungen. Als das Thema Kosenamen aufkam, gaben wir uns alle empört ob der Unsitte, den Partner mit verniedlichenden Begriffen zu versehen. Das sei total ungeil. So wie Nina und Alex, die einander tatsächlich „Mausekönigin“ und „Mauskönig“ nennen, ob sie nun allein daheim oder aber mit dem kompletten Freundeskreis unterwegs sind. Gott, wie peinlich. Wir Freundinnen waren uns einig: Kosenamen sind etwas selten Blödes.

Ein wenig später, ich saß am Schreibtisch und grübelte vor mich hin, da fiel mir die Kosenamen-Diskussion wieder ein.

Hase, Maus, Püppi, Bärchen, Spatz, Kleines, Herzblatt, Süße, Zuckerschnute, Schnecke. Und zu meiner Überraschung wurde mir bewusst – sooo schlimm finde ich Kosenamen gar nicht. Weil manche dieser Bezeichnungen so vertraut klingen. Weil sie dieses Gefühl von „WIR beide gegen den Rest der Welt!“ vermitteln.

Natürlich spreche ich nicht von diesem albernen Baby-Gequatsche. Paare, die einander „Bubu“, „Hutzidutzi“ oder „Schuddelbacke“ nennen, am besten noch in der Öffentlichkeit, gehen gar nicht. Wie soll denn so die Erotik überleben? Und wie soll ich scharf auf jemanden sein, der mich „Schnurbelchen“ nennt?

Am allerschlimmsten aber finde ich „Kosenamen“, die mehr oder minder versteckte Beleidigungen sind und üble Verdauungprobleme des Angesprochenen implizieren. Ich meine, warum sollte ich meinen Liebsten „Stinki“, „Hasifurzi“ oder „Kakaköpfchen“ nennen? Das ist eventuell noch denkbar, wenn ich mit meiner Englischen Bulldogge schimpfe, die mit chronischen Blähungen zu kämpfen hat. Aber niemals würde ich den Mann meines Herzens so nennen. Pfui Teufel. „Macht doch keiner!“, denkt ihr euch? Oh doch. Allein in meinem Bekanntenkreis gibt es zwei Paare, die einander mit derlei Charmantheiten bedenken. Bert und Karla – er nennt sie „Miefi“, sie ihn „Pupsi“ – und Miriam und Carmen, die einander mehr oder minder liebevoll „Furzknoten“ nennen.

Igitt. Meine Favoriten sind dagegen Klassiker.

Schatz. Liebste. Baby.

Hinreißend und zum Wegschmelzen, wie ich finde. Ich liebe es, wenn der Mann, in den ich verliebt bin, auf diese Art und Weise nach mir ruft. Weil es impliziert, dass ich wertvoll bin, eine Kostbarkeit, die er beschützen möchte.

Ich selbst bin übrigens komplett talentfrei darin, anderen ein zärtliches Alias zu verpassen. „Baby“ bekomme ich gerade noch hin. Einmal ist mir sogar ein „Schatz“ rausgerutscht, aber da war ich betrunken. Ich traue mich das einfach nicht, es wirkt so hausbacken und bieder und doof, wenn ich etwas Derartiges sage.

Doch warum ist das so? Warum hat der moderne Großstadtsingle so viel Furcht, seine Begeisterung für Kosenamen kundzutun? Weil es in den Augen vieler uncool ist vielleicht. Und altmodisch. Aber warum sollten wir uns daran stören? Wenn die Kosenamen nicht total peinlich sind und den anderen zum Volldeppen machen, ist doch alles erlaubt.

Mein Tipp: Haltet euch in der Öffentlichkeit und im Beisein eurer Freunde ein wenig zurück, wenn ihr nicht demnächst nur noch allein unterwegs sein möchtet. Zu Hause, wenn ihr allein und unter euch seid, ist natürlich alles erlaubt. Jetzt seid ihr dran. Verratet mir eure liebsten Kosenamen. Und die meistgehassten.